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Das Spesengebaren von Politikern hatte das britische Parlament Mitte des Jahres
in eine tiefe Krise gestürzt: Quer durch alle Parteien wurden Spesen geltend
gemacht, die nichts mit der parlamentarischen Arbeit zu tun haben. Etwa 500
Abgeordnete haben nun Briefe mit Rückforderung erhalten.
Nach dem Spesenskandal im britischen Parlament will Premierminister Gordon Brown
zu viel erhaltene Gelder zurückzahlen. Laut einem vorläufigen Bericht einer
unabhängigen Spesenprüfung hat der Regierungschef 12.415,10 Pfund (13.250Euro)
zu viel erstattet bekommen.
Die Kommission legte selbst Kriterien für die
freiwillige Rückzahlung fest und untersuchte den Abrechnungszeitraum 2004/05 bis
2008/09. Neben Brown erhielten etwa 500 Abgeordnete einen Brief mit einer
Rückforderung. Sie haben nun drei Wochen Zeit, darauf zu antworten. Im Dezember
soll der endgültige Bericht vorliegen.
Brown stimmte einer vollen Rückzahlung der beanstandeten Spesen zu und forderte
alle Regierungsmitglieder auf, seinem Beispiel rasch zu folgen. Nach den
Kriterien der Kommission sollten jährlich für die Reinigung nicht mehr als 2000
Pfund reklamiert werden dürfen, für Gartenpflege 1000 Pfund. Wer diese Grenzen
überschritt, erhielt nun eine Rückforderung. Der Regierungschef hatte
Haftstrafen für jene Abgeordnete gefordert, die bei der Revision mit besonders
hohen ungerechtfertigten Spesenabrechnungen auffallen.
Der Premier hatte
laut den Kriterien der Rechnungsprüfer in vier Abrechnungsjahren 10.716,60 Pfund
zu viel für die Reinigung in seinem Zweitwohnsitz reklamiert. Er teilte sich die
Reinigungskraft mit seinem Bruder. Für Gartenpflege fielen 302,50 Pfund zu viel
an. Diese Forderungen haben Browns Berater zufolge nicht gegen die damaligen
Regeln verstoßen. Eine Rechnung über 1396 Pfund für den Maler und Raumdekorateur
hatte der Premier versehentlich zwei Mal abgerechnet.
Das Spesengebaren von Politikern hatte das Parlament
Mitte des Jahres in seine tiefste Krise seit Generationen gestürzt.
Zweitwohnungen wurden renoviert, Schäden an einem Swimmingpool oder einem
Tennisplatz wurden ausgebessert. Auch wurden Luxusartikel angeschafft.
Zweitwohnungen wurden öfter gewechselt, renoviert und auch gewinnbringend
verkauft. Familienwohnsitze wurden mit Steuergeldern renoviert.
Obwohl
Politiker aller Parteien sich auf Kosten der Steuerzahler bereichert hatten,
büßten vor allem die regierende Labour-Partei und Premierminister Gordon Brown
Ansehen und Sympathien in der Wählergunst ein. Die zurückgetretene
Innenministerin Jacqui Smith hatte beispielsweise 106.738 Pfund Spesen
reklamiert.
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